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#1 |
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Moderator
Registriert seit: 01.09.2008
Ort: Gatersleben
Beiträge: 3.353
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Heute, hier und in diesem Moment leben wir in einer Gesellschaft, deren ökonomische Strukturen den Begriff "soziale Marktwirtschaft" als Überschrift tragen. Futuristische Gesellschaftsvisionen, Begriffsmühseligkeiten u. ä. dazu wollen wir mal weglassen.
Konzentration also voll auf die Gegenwart! Seit mehreren Tagen kennt die wirtschaftspolitische Mediale nur noch ein Thema - die Insolvenz von ARCANDOR in allen Variationen als gesamtgesellschaftlichen Sündenfall. In allen ähnlichen Fällen standen dabei Gewerkschaften, Linke und viele Bürger dem ablehnend gegenüber, was jetzt teilweise vehement gefordert wurde - die finanzielle Intervention der Steuerzahler über den Staat. Auch, wenn sie vom Tisch ist. Eher am Rande findet sich dagegen die nüchterne Feststellung, dass Europas größter Fertighausanbieter, die KAMPA AG insolvent und die Entlassung von 750 Beschäftigten nun unmittelbar anstehender Fakt geworden ist. Keine Debatten über ein Eingreifen des Bundes! Aber natürlich! Also wäre eine Erläuterung interessant: Worin besteht - betriebswirtschaftlich gesehen - der Unterschied zwischen einem Kleid von KARSTADT, der Hifi-Anlage von QUELLE und der Tür im Landhausstil von KAMPA im Musterhaus? OPEL lasse ich gleich mal weg ... ![]()
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NIHIL HUMANI A ME ALIENUM PUTO. - Nichts menschliches ist mir fremd. (Menander) http://my.opera.com/Timirjasevez/blog |
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#2 |
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Bündnis90/Die Grünen
Registriert seit: 09.04.2008
Beiträge: 1.877
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Lassen wir einmal in der Betrachtung - und mag es noch so bitter sein - Schicksale der betroffenen Menschen außen vor.
Opel ist ein profitables Unternehmen, rutschte durch GM an den Rand des Unterganges. Es handelte sich zudem um ein Hilferuf aus Deutschlands wichtigste Branche. Hier hat Vater Staat völlig zurecht eingegriffen und den Vermittler gegeben. Arcandor (oder wie man den Konzern seit den 90iger Jahren sonst noch nennen möchte) hätte schon vor Jahren von der Bildfläche verschwinden müssen. Die Wirtschaftlichkeit ist bereits länger nicht mehr gegeben. Das Unternehmen hat sich nur noch über neue Investoren über Wasser gehalten. Jetzt ist eben Pumpe. Kampa ist keine andere Nummer. Wäre 2006 kein Großinvestor eingestiegen, hätte es die Schlagzeile wesentlich früher gegeben. In Zeiten der Krise sitzt das Geld nicht mehr so locker...Schluss, aus, vorbei. Auch hier gilt, die Wirtschaftlichkeit ist seit Jahren nicht mehr vorhanden. Vergleichen wir es mit einem Sturm. Vor ihm stehen fünf von Bäume in einer Reihe, hinterher verbleiben vier. Einer hat es nicht überlebt. Wie sich zeigt, war er im Inneren verfault. Genau das passiert derzeit in der freien Wirtschaft. Unternehmen die vor der Krise gut aufgestellt waren, werden nur in Ausnahmefällen in Existenzprobleme rutschen. Soweit zur betriebswirtschaftlichen Seite... Ansonsten ist es ein rein subjektives Gebaren. Banken, Versicherern und Spekulanten als Krisenförderer gönnt man nichts, keinen Heller. Karstadt dagegen, oh weh, das klingt im Ohr nach Arbeitern wie "wir" es sind im Leid. Also ran mit dem Speck. Was für die "Verursacher" gilt, muss auch bei den Opfern möglich sein. Die Welt kann sooo einfach plötzlich sein, nicht wahr? Noch schnell dazugeeilt, klopft Kampa an die Tür? Bitte wer?
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Der Urknall ist in Wahrheit unser Horizont in der Zeit und im Raum. Wenn wir ihn als Nullpunkt unserer Geschichte betrachten, dann aus Bequemlichkeit und in Ermangelung eines Besseren. Wir sind wie Entdeckungsreisende vor einem Ozean: Wir sehen nicht, ob es hinter dem Horizont etwas gibt. Hubert Reeves |
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#3 |
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Pragmatiker mit Idealen
Registriert seit: 06.11.2008
Ort: Oldenburg
Beiträge: 207
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Des weiteren sind die Autobauer eben nicht Deutschlands wichtigste Branche Anteile am BIP: Dienstleistungen 50,9 %, Industrie und Baugewerbe 30,4 %, Handel 17,9 %, Landwirtschaft 0,9 % Quelle: http://www.deutschland.de/aufeinenblick/uebersicht.php Außer natürlich du willst mir erzählen,dass 20% aller Dienstleistungen auf die Automobilindustrie zurück zu führen sind. Wobei der Punkt Industrie erstens nicht alleine steht,und zweitens nicht bloß die Automobilhersteller umfasst.
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Salus publica suprema lex (Das Wohl des Volkes ist oberstes Gesetz) |
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#4 |
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Bündnis90/Die Grünen
Registriert seit: 09.04.2008
Beiträge: 1.877
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Wie gesättigt der Markt war, hat die Abwrackprämie deutlich gezeigt, kein Stückchen. Man sollte Schwierigkeiten bei Absatzzahlen unterteilen in "keine neuen Rekordzahlen" (um Gottes Willen, Katastrophe) und tatsächliche Probleme. Darüber hinaus gefährdet ein zeitliches Absinken nicht die Wirtschaftlichkeit. Opel ist nicht in Schwierigkeiten geraten, weil ihr eigenes Geschäft bedroht ist.
Und zur Bedeutung der Branche ... ich nenne einen für sich stehenden Indurstriezweig und mir werden alle vorhandenen Dienstleister dagegen gerechnet. Schön, nenne mir eine Branche die in Deutschland bedeutender ist? Damit sind Zahlen gemeint, aber auch Stärke/Einfluss von Lobbygruppen und dazugehörige Profiteure. Ich bin gespannt...
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Der Urknall ist in Wahrheit unser Horizont in der Zeit und im Raum. Wenn wir ihn als Nullpunkt unserer Geschichte betrachten, dann aus Bequemlichkeit und in Ermangelung eines Besseren. Wir sind wie Entdeckungsreisende vor einem Ozean: Wir sehen nicht, ob es hinter dem Horizont etwas gibt. Hubert Reeves |
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#5 |
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Pragmatiker mit Idealen
Registriert seit: 06.11.2008
Ort: Oldenburg
Beiträge: 207
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Zu allererst möchte ich mich entschuldigen,meine Antwort so lange schuldig geblieben zu sein. Ich steckte eine Woche lang in meiner Gesellenprüfung,und hatte dementsprechend weder die Zeit,noch die rechte Muse.
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Salus publica suprema lex (Das Wohl des Volkes ist oberstes Gesetz) |
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#6 |
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Bündnis90/Die Grünen
Registriert seit: 09.04.2008
Beiträge: 1.877
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In der Regel sind wir leicht hinters Licht zu führen. Hebt ein Warenhaus den Preis eines Produktes langsam über 3 Wochen an und senkt ihn dann mit einem Schlag um 60% des Anstieges, wird der Umsatz höher ausfallen als wenn der Preis gleich blieb oder um 40% zunahm. Dahinter versteckt sich kein Gesetz aber eine nicht kleine Wahrscheinlichkeit menschlicher Logik. Volkswirtschaftlich gesehen ist der Effekt der Prämie nicht sonderlich beachtlich. Daher wurde er auch zurecht kritisiert. Bei aller Wichtigkeit besteht unsere nationale Wirtschaft natürlich nicht nur aus Automobiltechnik und deren Vermarktung, das wäre unschön. Die Frage nach der Verhältnismäßigkeit sollte vielleicht auch mit anderen Faktoren abgeglichen werden, z.b. mit Signalen an Investoren, Unternehmer oder der Bevölkerung. Die Nichtunterstützung eines Unternehmens das ohne Eigenverschulden vor dem Aus stand, wäre wohl bei einer Marke wie Opel nicht besonders freundlich aufgenommen worden. Warum soll man ein Fass schütteln das daraufhin leicht explodiert?
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Der Urknall ist in Wahrheit unser Horizont in der Zeit und im Raum. Wenn wir ihn als Nullpunkt unserer Geschichte betrachten, dann aus Bequemlichkeit und in Ermangelung eines Besseren. Wir sind wie Entdeckungsreisende vor einem Ozean: Wir sehen nicht, ob es hinter dem Horizont etwas gibt. Hubert Reeves |
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#7 |
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Weltmeister
Registriert seit: 25.10.2007
Beiträge: 1.428
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Es gibt strukturelle Probleme mit dem Markt (langweiliges KAufhaus trifft auf die Mall und das Internet), Kapitalstrukturprobleme (zu wenig Eigenkapital und die falsche Hausbank bw. Heuchrecke) und Konjunkturelle Probleme (PKW gehen grade schlecht - Nutzfahrzeuge noch schlechter). Opel hat die beiden letzten - Arcandor das erste und Kampa vielleicht etwas mehr Nr.2 und weniger Nummer 3. Wenn wir jemanden mit Staatsschulden auf Kosten unserer Kinder retten, dann weil uns sonst großes Unheil für die gesammte Gesellschaft droht (Hypo Real Estate), weil wir konjunkturelle Probleme überbrücken möchten und die Hoffnung haben, dass die Kohle zurück kommt und sei es nur in Form von weniger Arbeitslosen auf die lange Frist (abwrackprämie). Wenn wir davon ausgehen müssen dass eine Erhohlung nicht wahrscheinlich ist, weil einfach am Markt vorbei strategisiert wurde und wird oder der Investor eine 'take the money and run' Strategie einer langfristigen Investition vorzieht - (Werft in Wismar...) dann wird nicht gerettet.
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“ A human being should be able to change a diaper, plan an invasion, butcher a hog, conn a ship, design a building, write a sonnet, balance accounts, build a wall, set a bone, comfort the dying, take orders, give orders, cooperate, act alone, solve equations, analyze a new problem, pitch manure, program a computer, cook a tasty meal, fight efficiently, die gallantly. Specialization is for insects." Robert Anson Heinlein |
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