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Umfrageergebnis anzeigen: Wie sollte die Bundesregierung auf das genannte Szenario reagieren?
Die Bundesregierung sollte so viele Geiseln wie möglich herausverhandeln und die Schule dann in einem günstigen Moment von der GSG 9 stürmen lassen. (Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende) 8 88,89%
Mann muss versuchen die Forderungen irgendwie zu erfüllen. Gewalt ist keine Lösung. 1 11,11%
Die Bundesregierung sollte passiv bleiben, die Forderungen nicht erfüllen und abwarten. Irgendwann nehmen die Terroristen ihr die Entscheidung ab, so oder so. 0 0%
Teilnehmer: 9. Du darfst bei dieser Umfrage nicht abstimmen

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Alt 04.09.2004, 14:28   #1
Leitwolf
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Geisel-Szenario

Mal gesetzt den Fall in Deutschland würde sich ein ähnliches Szenario abspielen, wie es gestern in Russland in einem Blutbad zu Ende gegangen ist.

50 schwerstbewaffnete Terroristen dringen in ein Schulgebäude ein, nehmen 600 Schüler und Lehrer als Geiseln, verminen das Gebäude, schiessen auf jeden der sich nähert und drohen mit der Sprengung, wenn die Polizei versucht zu stürmen.
Nachdem sie sich zunächst einam geweigert haben überhaupt zu reden erklären sie schliesslich, dass sie den Abzug aller deutscher Truppen aus Afghanistan innerhalb von 72 Stunden fordern (rein logistisch schon unerfüllbar, von den Konsequenzen für unsere Verbündeten dort unten ganz zu schweigen) verlangen.
Versorgung der Geiseln mit Nahrungsmitteln, Medikamenten und Trinkwasser lehnen sie kategorisch ab. Werden ihre Forderungen nicht erfüllt, dann wollen sie sich mit all ihren Geiseln in die Luft sprengen. Wie sollte die Bundesregierung reagieren.
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"Political correctness is tyranny with manners".
Charlton Heston

Lieber eine Waffe in der Hand, als einen Polizisten am Telephon.

Leute die keine Waffe besitzen sollten, halten sich nicht an Waffengesetze.
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Alt 04.09.2004, 18:39   #2
Fokker
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AW: Geisel-Szenario

600 Menschenleben für ein so abstraktes Ziel in Afghanistan aufs Spiel zu setzen? Das würde ich nicht tun. Deutschland ist nicht Russland.
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Alt 04.09.2004, 18:44     #3
Leitwolf
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AW: Geisel-Szenario

Zitat: Fokker
600 Menschenleben für ein so abstraktes Ziel in Afghanistan aufs Spiel zu setzen? Das würde ich nicht tun. Deutschland ist nicht Russland.
Naja, wir setzten ja auch das Leben von 2.500 Soldaten für dieses abstrakte Ziel aufs Spiel und zwar oftmals ohne die Kameraden wirklich über das konkrete Risiko aufzuklären...
Ausserdem solltest du dir vielleicht mal überlegen, wohin ein Nachgeben bei solchen Terrorakten führt. Wenn solche Leute erstmal den Fuß in der Tür haben, dann folgen weitere Erpressungsversuche, das hat sich in den 70er Jahren immer wieder deutlich gezeigt.
Die Gewalt wird keineswegs deeskaliert, sondern immer brutaler und rücksichtsloser, da die Täter genau wissen, dass sie nur gewalttätig genug sein müssen, um den Staat zum Nachgeben zu zwingen.
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Alt 04.09.2004, 18:51   #4
Fokker
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Zitat: Leitwolf
Naja, wir setzten ja auch das Leben von 2.500 Soldaten für dieses abstrakte Ziel aufs Spiel
Soldaten, die sich diesen Beruf, mit all seinen Konsequenzen, ausgesucht haben. Wehrdienstleistende kommen da ebensowenig hin, außer vielleicht wenn man sich für soetwas verpflichtet. Außerdem sind das Erwachsene und keine Kinder bzw. Jugendlichen.
Zitat:
Ausserdem solltest du dir vielleicht mal überlegen, wohin ein Nachgeben bei solchen Terrorakten führt.
Kann sein. Aber Deutschland ist nicht Russland mit seinen Problemen und Banden. Und härter durchgreifen kann man immernoch, jedoch ist diese Forderung nicht gewichtig genug, um gegen 600 Menschenleben aufgewogen zu werden.
Das wären in dem Fall ungelegte Eier, deren Folge eben nicht einmal sicher ist.

Ist meine persönliche Einschätzung, ich könnte so eine Entscheidung nur auf diese Weise treffen.
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Alt 04.09.2004, 19:56   #5
Fokker
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AW: Geisel-Szenario

Diese Terroristen in Beslan, rechneten zB ja auch garnicht mit der Erfüllung ihrer Forderungen - soviel Intelligenz werden die wohl auch gehabt haben.Deren einziges ziel ist es Schrecken zu verbreiten, dass haben sie geschafft. Darum wird es auch weitere Geiselnahmen geben.
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Alt 04.09.2004, 21:18     #6
Leitwolf
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AW: Geisel-Szenario

Zitat: Fokker
Soldaten, die sich diesen Beruf, mit all seinen Konsequenzen, ausgesucht haben.
Und die dennoch nicht über alle Risiken informiert werden. Was da in Kunduz läuft ist das reinste Himmelfahrtkommando und die Leute ahnen das noch nicht einmal.

Zitat: Fokker
Kann sein. Aber Deutschland ist nicht Russland mit seinen Problemen und Banden. Und härter durchgreifen kann man immernoch, jedoch ist diese Forderung nicht gewichtig genug, um gegen 600 Menschenleben aufgewogen zu werden.
Um es dir mal klar zu machen:
1972 wurde, kurz nach dem Olympia Attentat, ein Flugzeug entführt. Die Geiselnehmer forderten die Freilassung der 3 nach dem Attentat inhaftierten Terroristen. Dem wurde stattgegeben, die Geiseln wurden freigelassen, Brandt stand als der große Kompromissler da.
1975 wurde der CDU Politiker Peter Lorenz entführt. Im Austausch wurden mehrere Angehörige des Terrorkommandos "2. Juni" freigelassen, Lorenz kam frei.
Jetzt waren die Terroristen davon überzeugt, dass Deutschland auch weiterhin verhandeln würde, wenn sie nur brutal genug vorgingen. Die Folge:
Ebenfalls 1975 wurde die schwedische Botschaft von einem RAF Kommando besetzt, zwei Geiseln wurden getötet.
Anfang 1977 versuchte man den Bankier Jürgen Ponto zu entführen und erschoss ihn dabei.
Im Herbst 77 wurde dann der Arbeitgeberpräsident Schleyer mit brutalster Gewalt (3 tote Polizisten, ein toter Chauffeur) entführt. Als das noch nicht ausreichte entführte eine palästinensisches Kommando eine Lufthansa Maschine und ermordete den Piloten.
Schmitt blieb hart, die GSG 9 stürmte die Maschine und befreite alle Geiseln, dafür wurde aber Schleyer von seinen Entführern ermordet.
Die Aktion in Mogadishu hätte allerdings auch verdammt schief gehen können, denn die Terroristen in der Maschine hatten diese komplett vermint und waren schwer bewaffnet. Im schlimmsten Falle hätte Schmitt über 100 Tote (inklusive GSG 9 Beamte) verantworten müssen.
Die Forderungen der Terroristen wären durchaus erfüllbar gewesen, aber stell dir mal vor, was dann als Nächstes gekommen wäre?
Für Geiselnahmen gibt es nur zwei Lösungsmöglichkeiten:
1. Der Geiselnehmer gibt auf und lässt seine Geiseln frei.
2. Spezialverbände lösen die Lage gewaltsam, was immer das Risiko von Todesopfern mit sich bringen wird.

Zitat: Fokker
Ist meine persönliche Einschätzung, ich könnte so eine Entscheidung nur auf diese Weise treffen.
600 Menschenleben gegen die Staatsräson abzuwägen ist sicherlich keine leichte Entscheidung. Aber der Staat kann und darf sich niemals und unter keinen Umständen von skrupellosen Mördern erpressen lassen. Nachgeben führt nur zu immer mehr Gewalt auf Seiten der Terroristen. Man sollte versuchen so viele Geiseln wie irgend möglich zu retten, aber ein Nachgeben kommt in keinem Fall in Frage.
Das ist mein Standpunkt und er hat sich leider als der einzig richtige erwiesen.
Nachdem Schmidt in Mogadishu hart geblieben war, haben weder die RAF, noch irgendeine andere Terrororganisation jemals wieder versucht die Bundesregierung mittels einer Geiselnahme zu erpressen. Erst seit rot-grün an der Macht ist zahlen wir mit schöner Regelmässigkeit für die Freilassung entführter Touristen...

Zitat: Fokker
Diese Terroristen in Beslan, rechneten zB ja auch garnicht mit der Erfüllung ihrer Forderungen - soviel Intelligenz werden die wohl auch gehabt haben.
Denkst du im Ernst, dass es möglich wäre innerhalb von 72 Stunden alle Truppen aus Afghanistan abzuziehen? 2.500 Mann samt Ausrüstung, Gerät und Waffen ausfliegen kannst du vergessen, vor allem da die Bundeswehr gerade mal über 5-6 einsatzfähige Transportmaschinen verfügt.
Und die Kameraden in Kunduz kannst du sowieso nur über den Landweg herausbringen.
Ganz abgesehen davon können wir unsere Verbündeten dort unten doch nicht einfach stehen lassen, wir stellen das stärkste Kontingent.
Was glaubst du wohl, was das für internationale Verwicklungen geben würde, wenn wir von heute auf Morgen dort abrücken würden???
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Alt 05.09.2004, 04:00   #7
Fokker
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AW: Geisel-Szenario

Zitat: Leitwolf
Und die dennoch nicht über alle Risiken informiert werden.
Mag sein. Aber diese leute sind für soetwas da, bzw. haben sich dafür verpflichtet.

Zitat:
Um es dir mal klar zu machen:
1972 wurde, kurz nach dem Olympia Attentat...
Was zeigt, dass man, oder der Staat, durchaus nachgeben kann. Und 600 Leben sind genau der Grund, der mich zu soetwas verleiten würde.

Zitat:
Das ist mein Standpunkt und er hat sich leider als der einzig richtige erwiesen.
Sicher, ich gestehe dir den Standpunkt gerne zu, Unrecht hast du ja nicht. Was nun richtig ist, hängt aber ganz von der Perspektive ab.

Zitat:
Denkst du im Ernst, dass es möglich wäre innerhalb von 72 Stunden alle Truppen aus Afghanistan abzuziehen?
Keine Ahnung.. wo ein Wille ist...?
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Alt 05.09.2004, 12:43     #8
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AW: Geisel-Szenario

Zitat: Fokker
Mag sein. Aber diese leute sind für soetwas da, bzw. haben sich dafür verpflichtet.
Würdest du das auch sagen, wenn ein Bergwerksbetreiber sein Personal nicht nur in einen völlig ungesicherten Schacht schicken, sondern ihnen auch noch einreden würde, dass es dort nicht gefährlicher ist, als im restlichen Bergwerk?

Zitat: Fokker
Was zeigt, dass man, oder der Staat, durchaus nachgeben kann.
Es zeigt aber auch, wohin nachgeben führt.

Zitat: Fokker
Keine Ahnung.. wo ein Wille ist...?
Egal wie sehr du es willst, Wasser wird niemals rosa sein und bergauf fliessen.
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Alt 05.09.2004, 15:35   #9
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Zitat: Leitwolf
Würdest du das auch sagen, wenn ein Bergwerksbetreiber sein Personal nicht nur in einen völlig ungesicherten Schacht schicken, sondern ihnen auch noch einreden würde, dass es dort nicht gefährlicher ist, als im restlichen Bergwerk?
Bergwerksarbeiter sind keine Soldaten. Ausserdem bezweifele ich sehr stark, dass die Soldaten dort keine Ahnung von ihrer lage haben. Ich habe selbst einen Kumpel, der im Kunduz stationiert ist und der fühlte sich vorher ganz bestimmt nicht "sicher".
Zitat:
Es zeigt aber auch, wohin nachgeben führt.
...führen kann.
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Alt 05.09.2004, 17:28     #10
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AW: Geisel-Szenario

Zitat: Fokker
Bergwerksarbeiter sind keine Soldaten.
Nein, aber auch sie haben einen Beruf der ausgesprochen riskant sein kann und wissen auch um die Risiken, die sie zu tragen haben.
Trotzdem haben sie ein Recht auf genaue Information und bestmögliche Absicherung durch den Dienstherren.

Zitat: Fokker
Ausserdem bezweifele ich sehr stark, dass die Soldaten dort keine Ahnung von ihrer lage haben.
Dass Kunduz nicht sicher und der Evakuierungsplan ein Witz ist wissen alle. Es gibt aber eine Reihe von Informationen Seitens der Regierung Karsai, die den Kameraden bewusst vorenthalten wurden.
Frag nicht woher ich das weiss, ich weiss es einfach.

Zitat: Fokker
...führen kann.
Nein, es führt immer dazu.
Es hat in Deutschland in den 70er Jahren dazu geführt, in Israel, in den USA, in Frankreich, GB, überall.
Ob es dir gefällt oder nicht, manchmal muss man den schweren Weg gehen und dafür dann auch einstehen.
So wie Helmut Schmidt für seinen Sturmbefehl auf die Landshut mit seinem Rücktritt eingestanden wäre, wenn der Einsatz fehlgeschlagen wäre.
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Alt 05.09.2004, 17:36   #11
Fokker
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Die Bundeswehr und deren Informationspolitik ist hier nicht das Thema.
Zitat:
Es hat in Deutschland in den 70er Jahren dazu geführt, in Israel, in den USA, in Frankreich, GB, überall.
Wir haben nicht die 70er, wir sind nicht Israel, Frankreich oder das UK. Du vereinfachst die Sache.
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Alt 05.09.2004, 18:40     #12
Leitwolf
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Zitat: Fokker
Wir haben nicht die 70er, wir sind nicht Israel, Frankreich oder das UK. Du vereinfachst die Sache.
Nein, du vereinfachst die Sache.
Du stellst dich auf den Standpunkt: Man muss nachgeben, es ist immer und grundsätzlich falsch das Leben der Geiseln zu riskieren. Wenn wir nachgeben, dann sind wir sicher, alles wird gut und wir und die Moslems nehmen uns an den Händen und tanzen den Ringelrein.
Es kann schlicht und einfach nicht sein, dass man nur brutal genug vorgehen muss, damit man sein Ziel erreicht. Die einzig mögliche Reaktion auf so etwas ist es den Terroristen deutlich zu machen: Egal wie brutal ihr vorgeht, ihr werdet euer Ziel niemals erreichen.
Lieber heute 100 oder 200 tote Geiseln und das klare Signal, dass man sich niemals erpressen lassen wird, als dass Geiselnahme auf Geiselnahme folgt und man immer und immer wieder gezwungen ist nachzugeben. Denn wenn man erstmal so weit ist, dann tanzen einem die Terroristen auf der Nase herum und machen was sie wollen. Dann kann man den Kampf gegen den Terror auch gleich völlig einstellen, den Staat auflösen und die Macht an die Terroristen übergeben, um noch mehr Gewalt zu vermeiden.
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