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Alt 15.07.2008, 08:51   #1
Neuklon
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Neuklon befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Belgien - Zukunft ungewiss

Gestern Abend war, nach 3 monatiger Hoffnung, auch Laterme als Ministerpräsident von Belgien gescheitert und reichte seinen Rücktritt ein. Damit dürfte das Land erneut in eine heftige Staatskrise verfallen wie zuvor schon ein halbes Jahr lang, als Belgien keine Regierung stellen konnte.

Die Koalition Laterme besaß nach Wunsch des Königs vor allen Dingen eine Aufgabe, die Spaltung des Landes verhindern. Stolperstein wurde die regionale Machtverteilung im Land.

Nun droht Belgien wie schon im letzten Jahr das Ende, der Zerfall. Beide Volksgruppen, Flamen wie Wallonen, wollen die jetzige Lage nicht mehr akzeptieren - ein jahrhundtealter Konflikt könnte zum Desaster werden. Die Flamen sehen sich eher als Niederländer und könnten sich dem Land anschließen. Die Wallonen fühlen sich zu Frankreich hingezogen, ihre nationale Neuidentität könnte jedoch auch zu einem Kleinstaat führen, sollte Belgien tatsächlich vor dem Aus stehen.
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Otto von Bismarck
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Alt 15.07.2008, 21:04   #2
Fokker
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Fokker befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Ursächlich scheint derzeit die schlechte wirtschaftliche Lage der Wallonie zu sein, während es Flandern wirtschaftlich gut geht. Die Flandern bezahlen somit den Wallonen ihre Sozialleistungen.
Früher stellte sich diese Situation genau anders herum dar, die Wallonen waren durch ihre Stahlindustrie und den Kohleabbau besser gestellt, während die Flamen eine Art Unterschicht stellten. Französisch war Amtssprache und auch die besser gestellten Flamen sprachen Französisch.
Dadurch ist Belgien natürlich belastet...

Unverständlic ist es jedoch, dass man in einem Europa, welches immer mehr zusammenwächst jetzt wieder neue Grenzen ziehen möchte.
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Alt 15.07.2008, 21:19   #3
tdd
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Hi
es natürlich schon etwas Arm, dass sich ausgerechnet das Land mit der europäischen Hauptstadt nicht einigen kann oder will.

Die Belgier scheinen das aber selber gar nicht so eng zu sehen, wenn man den Tagesschaubericht von heute glauben schenken darf. Man wird sich in Zukunft weiterhin irgendwie zusammenraufen und doch einen Kompromiss finden.
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Alt 15.07.2008, 22:14     #4
Neuklon
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Das Problem in Belgien sind die Separatisten und Nationalisten auf beiden Seiten die alle eine Trennung herbeiführen wollen. Sie sprachen heute schon wieder von einem "Plan der Erbteilung", da sind sie sich einig, ansonsten Feinde hoch drei.
Ich weiß ehrlich nicht ob Belgien noch stark genug ist um sich diesem Streben zu widersetzen. Sollte es tatsächlich irgendwann zu einer Teilung kommen, könnte Brüssel zu einer reinen Regierungsstadt der EU emporsteigen, ohne Staat im Hintergrund.

Aber soweit kommt es hoffentlich nicht...
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Alt 15.07.2008, 22:27   #5
Fokker
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Zitat: Neuklon Beitrag anzeigen
Ich weiß ehrlich nicht ob Belgien noch stark genug ist um sich diesem Streben zu widersetzen. Sollte es tatsächlich irgendwann zu einer Teilung kommen, könnte Brüssel zu einer reinen Regierungsstadt der EU emporsteigen, ohne Staat im Hintergrund.

Aber soweit kommt es hoffentlich nicht...
Eine Teilung wäre zwar innerhalb der Europäischen Union recht paradox, aber fatal wäre es wohl nicht. Flandern und die Wallonie haben jetzt ja schon eigene Parlamente, wenn unabhängige Staaten entstehen würden, dann wäre es eben so. Natürlich wäre die Wallonie dabei schlechter gestellt, aber ein neuer Anfang bietet ja immer auch Möglichkeiten.
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Alt 16.07.2008, 17:23   #6
Leitwolf
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Eines sollte uns dieses Beispiel auf jeden Fall lehren: Staatsgefüge aus verschiedenen Völkern sind oftmals sehr instabil und weder Verfassungen noch Staaten haben einen Anspruch auf Ewigkeit. Auch die EU könnte eines Tages auseinanderbrechen.
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Charlton Heston

Lieber eine Waffe in der Hand, als einen Polizisten am Telephon.

Leute die keine Waffe besitzen sollten, halten sich nicht an Waffengesetze.
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Alt 17.07.2008, 17:59     #7
Neuklon
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Leitwolf, wie kommt du denn jetzt auf die EU? Belgien ist ein Nationalstaat, das Gemeinschaftsprojekt EU strebt dagegen Bundesstaaten an nach Vorbild des US-Bundes. Wenn das eines Tages Wirklichkeit wird, ändert sich an den völkischen Grenzen überhaupt nichts. Nach wie vor werden sich die regional Ansässigen als Italiener, Franzosen oder Spanier fühlen. Erst 2-3 Generationen später, so nehme ich an, würden sich dann immer mehr Menschen zuvorderst als Europäer betrachten. In etwa ist das gleichzusetzen am Beispiel Deutschalnd - Bayern.

Und was ist schon "ewig". Selbstverständlich hat alles sein Ende...sonst gäbe es heute noch das Römische Reich deutscher Nation, das Römische Reich, die alten Griechen u. Ägypter, Babylon und die Sumerer...und ganz neu im Bunde die erste Zivilisation Pontopolis (noch umstritten) am bzw. heute im Schwarzen Meer.

Nach neuesten Informationen wird König Albert II. das Rücktrittsgesuch von Leterme ablehnen, ihn aber von der Aufgabe der Staatsreform entbinden. Das ist aber noch mit Vorsicht zu genießen, reines Spekulatius Gebälk.
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Alt 17.07.2008, 18:52   #8
tdd
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Zitat: Neuklon Beitrag anzeigen
Leitwolf, wie kommt du denn jetzt auf die EU? Belgien ist ein Nationalstaat, das Gemeinschaftsprojekt EU strebt dagegen Bundesstaaten an nach Vorbild des US-Bundes.
Hi
das halte ich für eine Träumerei einer kleinen Gruppe. Die EU ist erstmal eine wirtschaftliche Interessensgemeinschaft. Erweitert wird diese durch gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik und polizeiliche und justizielle Zusammenarbeit in Strafsachen über die staatlichen Grenzen hinnaus.
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Alt 17.07.2008, 19:10     #9
Neuklon
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@tdd
So ist es, das möchte ich auch gar nicht bestreiten. Damit beschreiben wir einzig und allein den "JETZT" Zustand. Mir fällt es schwer meinen Blick in allen Angelegenheiten statisch auf die heutige Zeit beizubehalten. Die Entwicklung zu reinen Bundesstaaten wird fließend noch min. 50-60 Jahre dauern...das die Politik darauf ausgerichtet ist, kann man dennoch schon heute erahnen. Da wir uns also mitten im Umwandlungsprozess befinden, würde ich statt "Träumerei" eher die Begrifflichkeit "reale Vision" wählen.
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Alt 17.07.2008, 21:31   #10
Leitwolf
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Zitat: Neuklon Beitrag anzeigen
Leitwolf, wie kommt du denn jetzt auf die EU? Belgien ist ein Nationalstaat, das Gemeinschaftsprojekt EU strebt dagegen Bundesstaaten an nach Vorbild des US-Bundes. Wenn das eines Tages Wirklichkeit wird, ändert sich an den völkischen Grenzen überhaupt nichts.
Die Wahrscheinlichkeit ist auf jeden Fall gegeben (und das Beispiel Belgien beweist es), dass irgendwann der Punkt erreicht ist an dem einer oder mehrere Staaten aus der EU wieder raus wollen. Die möglichen Folgen reichen von einer rein äußerlichen Veränderung über das Auseinanderbrechen der EU bis hin zu einem regelrechten Bürgerkrieg.
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Alt 20.07.2008, 15:11     #11
Neuklon
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Nunja, diese Wahrscheinlichkeit existiert natürlich fortlaufend, ist aber nicht besonders auffällig im Moment. Jeder Staat, jedes Gefüge, ganz und gar alles hört "irgendwann" auf zu bestehen. Daraus eine Sorge abzuleiten ist mir etwas zu theoretisch...

In Belgien verursachen die verrütteten Verhältnisse zweier Volksgruppen seit Jahrzehnten, eigentlich seit Anfang an, die Spannungen. Früher waren es die Wallonen welche reich und bestimmend waren, heute sind es eher die Flamen...beide machen identische Fehler, sie wollen den jeweils anderen, auch ideologisch, beherrschen. So kann natürlich kein stabiler Nationalstaat Belgien heranwachsen, nicht gestern, nicht heute, und morgen ebenfalls nicht.

Wir werden sehen wohin das führt...jedenfalls hat Albert II. tatsächlich den Rücktritt abgelehnt.
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Alt 20.07.2008, 17:10   #12
Fokker
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Also erstmal stehen hier ja wohl auch harte wirtschaftliche Interessen im Vordergrund... Wenn beide Volksgruppen eine prosperierende Wirtschaft hätten, sehe die Lage doch ganz anders aus.
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Alt 20.07.2008, 17:58     #13
Neuklon
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Ich denke nicht das die unterschiedliche wirtschaftliche Lage den Kernpunkt der Auseinandersetzungen bildet, das ist eher das I-Tüpfelchen im Pulverfass. Die eigentlichen Sorgen liegen in der Sprache, Religiösität und vor allen Dingen in der Machtfrage. Früher hielten die Wallonen vom Süden aus die Flamen in Schach...nun geht es in die andere Richtung. Was immer wieder deutlich zu hören ist, den Flamen geht es nicht um Kompromisse, sie wollen kategorisch Vorteile gesetzlich festnageln und so ihre südlichen Staatsbürger benachteiligen ... ich persönlich sehe darin einen indirekten Rachefeldzug resultierend aus der Schmach und Beherrschung die ihnen einst zuteil wurde.

Versäumnisse:
- Aufrecherhaltung einer einheitlichen Sprache
- Aufbau eines klaren Nationalstaates

Stattdessen hat man in den 70-90iger Jahren eine breitangelegte Dezentralisierung vorgenommen, de facto existieren doch schon 2 Staaten innerhalb Belgiens. Das führt auf Dauer zu einer Entfremdung: WIR hier, IHR da. Im Grunde ist der Verfall Belgiens seit Jahrzehnten im Gange, seit die flämische Bewegung nach dem 2. WK. endgültig zu einer Größe wurde.
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Alt 21.07.2008, 12:56   #14
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