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Alt 23.11.2007, 18:54   #31
Ken
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Nein, weder der Untergang des Abendlandes noch der Verfall der Bildung ist unmittelbar sofort zu befürchten, würde man Homeschooling in der BRD grundsätzlich erlauben. Als Zielgruppe kommt wohl ohnehin nur eine verschwindend kleine Minderheit überhaupt in Betracht. Ob der beabsichtigte Standard des Bildungsniveaus und vor allem der Bildungsinhalte damit einhalten lässt, das scheint mir schon zweifelhaft, obwohl ich nicht bestreiten will, dass es unserer Schulverwaltung grundsätzlich möglich sein sollte, dies zu garantieren. Nur, wie wir sehen, ist das theoretisch gut durchdachte System durchaus anfällig für Versagen im Einzelfall.

Dass homeschooling bisher in den Ländern, die das System unterstützen oder in unterschiedlicher Form bereits eingeführt haben, noch nicht zu aussergewöhnlich negativen Entwicklungen geführt hat, heisst nicht, dass das nicht in Zukunft der Fall sein kann. Hätte man vor 20 Jahren einen durchschnittlichen US-Lehrer gefragt, ob es denkbar ist, dass in Zukunft Kreationismus an staatlichen Schulen unterrichtet wird, hätte sich sicher kaum jemand ernsthaft mit der Möglichkeit auseinander gesetzt. Und doch ist diese 'Theorie' jetzt an einigen Schulen regulärer Schulstoff.

Wohlgemerkt, nicht wegen homeschooling. Aber homeschooling wäre u.U. für bestimmte Interessengruppen eine wertvolle Methode, ihre eigenen Bildungsinhalte in die Gesellschaft zu tragen. Zu nennen wären da unter anderem zum Beispiel islamistische, fundamental-christliche und antisemitische Gruppen und Sekten. Und die wären sicherlich dankbar für diese Chance, ihre eigenen Lerninhalte zu vermitteln.

Ob man die Idee 'homeschooling' deshalb generell ablehenen sollte? Wie gesagt, ich sehe eigentlich keinen echten Bedarf dafür, aber einige schwerwiegende Risiken. Wenn sich diese natürlich ausschliessen ließen; ok, von mir aus. Ich zweifle zwar an den Vorteilen, aber wenn sich wirklich qualifizierte Eltern finden, die sich so nachhaltig für ihre Kinder engagieren wollen, dann soll mir das natürlich recht sein. Ich habe ja das Beispiel aus Bremen genannt. Da sind zumindest die ganz grossen Katastrophen ausgeblieben.
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Der Engländer liebt das Gefühl, daß er über sich selbst lachen kann. Er tut das aber nur, um den andern die Freude zu nehmen, über ihn zu lachen. Peter Ustinov
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Alt 23.11.2007, 19:29   #32
System
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Zitat: Ken Beitrag anzeigen
Dass homeschooling bisher in den Ländern, die das System unterstützen oder in unterschiedlicher Form bereits eingeführt haben, noch nicht zu aussergewöhnlich negativen Entwicklungen geführt hat, heisst nicht, dass das nicht in Zukunft der Fall sein kann.
Zitat: http://en.wikipedia.org/wiki/Homeschooling
Home Schooling Achievement, a study conducted by National Home Education Research Institute (NHERI), indicates the academic integrity of homeschooling; the average homeschooled student outperforms his public school peers by 30 to 37 percentile points across all subjects. The study also indicates that public school performance gaps between minorities and genders are virtually non-existent among homeschooled students.
Tatsächlich ist es also so, dass homegeschoolte Kinder (aus den USA) in allen Fächern um einiges besser sind als ihre staatlich geschulten Kameraden.

Zitat: Ken Beitrag anzeigen
Hätte man vor 20 Jahren einen durchschnittlichen US-Lehrer gefragt, ob es denkbar ist, dass in Zukunft Kreationismus an staatlichen Schulen unterrichtet wird, hätte sich sicher kaum jemand ernsthaft mit der Möglichkeit auseinander gesetzt. Und doch ist diese 'Theorie' jetzt an einigen Schulen regulärer Schulstoff.
Ich dachte inzwischen wäre es wieder überall verboten. Außerdem sehe ich da jetzt nur, dass auch ein staatliches Schulsystem nicht vor Extremismus schützt.

Zitat: Ken Beitrag anzeigen
Aber homeschooling wäre u.U. für bestimmte Interessengruppen eine wertvolle Methode, ihre eigenen Bildungsinhalte in die Gesellschaft zu tragen.
Vielleicht war es dir nicht bekannt, aber viele Kinder von den typischen verdächtigen Gruppen gehen in den USA einfach nach dem Schulunterricht noch in besondere andere Schulen. Den Kontakt mit ausgedachten, wirren und schädlichen Bildungsinhalten kann man also nicht verhindern.

Zitat: Ken Beitrag anzeigen
Und die wären sicherlich dankbar für diese Chance, ihre eigenen Lerninhalte zu vermitteln.
Homeschooling gibt ihnen vielleicht noch die Möglichkeit die typischen Lerninhalte zu unterdrücken. Dies kann man verhindern in dem man allen Stoff der möglicherweise unterschlagen wird, zum Prüfungsstoff macht. Aktuell findet zwar Sexualerziehung an deutschen Schulen statt, aber geprüft wird dieses Wissen nicht (zumindest war es bei mir so).

Zitat: Ken Beitrag anzeigen
Ob man die Idee 'homeschooling' deshalb generell ablehenen sollte? Wie gesagt, ich sehe eigentlich keinen echten Bedarf dafür, aber einige schwerwiegende Risiken.
Ich sehe da schon auch einige Vorteile und schätze die Risiken geringer ein. Sollte etwa wie in den USA das staatliche Schulsystem unsinnigen Inhalt aufnehmen, kann man mit Homeschooling die Kinder vor dem Einfluss der Bekloppten schützen. Du legst hier volles Vertrauen in die staatlichen Schulen, dabei muss man in einer Demokratie (leider?) sein volles Vertrauen in das Volk legen und das bedeuten nun mal auch, dass diese notfalls etwas anderes ihren Kindern beibringen können als der Staat will.

Zitat: Ken Beitrag anzeigen
Ich zweifle zwar an den Vorteilen, aber wenn sich wirklich qualifizierte Eltern finden, die sich so nachhaltig für ihre Kinder engagieren wollen, dann soll mir das natürlich recht sein.
Bei dir hört es sich so an, als wären die Lehrer alle wirklich qualifiziert. Das ist meiner eigenen Beobachtung nach nicht der Fall.

Darf ich vielleicht noch vorschlagen, dass wir statt Homeschooling vielleicht lieber Heimunterricht sagen, sodass ich statt homegeschoolt einfach zuhause unterrichtet sagen kann.
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Alt 23.11.2007, 20:54   #33
Ken
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Zitat: System Beitrag anzeigen
Tatsächlich ist es also so, dass homegeschoolte Kinder (aus den USA) in allen Fächern um einiges besser sind als ihre staatlich geschulten Kameraden.
Das überrascht mich jetzt doch einigermassen. Ein so deutliches Ergebnis hätte ich nicht unbedingt erwartet.




Zitat: System Beitrag anzeigen
Ich dachte inzwischen wäre es wieder überall verboten. Außerdem sehe ich da jetzt nur, dass auch ein staatliches Schulsystem nicht vor Extremismus schützt.
Soweit ich weiss, ist das noch von Staat zu Staat verschieden, generell verboten ist der Stoff nicht. Als 'creation science', 'creation biology' oder 'intelligent design' ist die Idee noch immer im Umlauf. Eigentlich gar nichts dagegen zu sagen, wenn es nur darum geht, diese Ideen zu erwähnen und sich vor allem kritisch mit ihren Argumenten auseinaderzusetzen. Aber sie als gleichwertig oder gar anstatt der Evolutionslehre zu unterrichten, das fände ich doch sehr bedenklich.

Zitat: System Beitrag anzeigen
Vielleicht war es dir nicht bekannt, aber viele Kinder von den typischen verdächtigen Gruppen gehen in den USA einfach nach dem Schulunterricht noch in besondere andere Schulen. Den Kontakt mit ausgedachten, wirren und schädlichen Bildungsinhalten kann man also nicht verhindern.

Auch das überrascht mich einigermassen, da der Unterricht im Normalfall bis gegen 15.30h dauert. Wenn die Kinder danach zusätzlich noch in eine 'Spezial'-Schule gehen, kann da eigentlich sowieso nicht viel vernünftiges rauskommen. Aber natürlich, den Kontakt zu kruden Ideen kann man heute nicht mehr verhindern (läuft ja auch an der Schule vorbei im Internet).




Zitat: System Beitrag anzeigen
Homeschooling gibt ihnen vielleicht noch die Möglichkeit die typischen Lerninhalte zu unterdrücken. Dies kann man verhindern in dem man allen Stoff der möglicherweise unterschlagen wird, zum Prüfungsstoff macht.
Das wäre zumindest ein gangbarer Weg. Durchaus vorstellbar.


Zitat: System Beitrag anzeigen
Ich sehe da schon auch einige Vorteile und schätze die Risiken geringer ein. Sollte etwa wie in den USA das staatliche Schulsystem unsinnigen Inhalt aufnehmen, kann man mit Homeschooling die Kinder vor dem Einfluss der Bekloppten schützen. Du legst hier volles Vertrauen in die staatlichen Schulen, dabei muss man in einer Demokratie (leider?) sein volles Vertrauen in das Volk legen und das bedeuten nun mal auch, dass diese notfalls etwas anderes ihren Kindern beibringen können als der Staat will.

Wie du sagst, das erfordert eben, den Bürgern das entsprechende Vertrauen entgegenzubringen. Vermutlich ist es tatsächlich so, dass jene, die sich ernsthaft für ihre Kinder in dem Masse einsetzen wollen, dieses Vertrauen auch verdienen sollten. Mich schrecken eben Beispiele ab, in denen Eltern lieber zwei Flachbildschirm-Fernsehgeräte (einen für das Kind) auf Raten anschaffen, statt ihren Sohn in den Kindergarten zu schicken. Möglicherweise ein krasser Einzelfall, aber der Gedanke, solchen Eltern auch noch den Heimunterricht zu überlassen, behagt mir nicht besonders.



Zitat: System Beitrag anzeigen
Bei dir hört es sich so an, als wären die Lehrer alle wirklich qualifiziert. Das ist meiner eigenen Beobachtung nach nicht der Fall.
Na, zumindest theoretisch qualifiziert. Nach meinen Erfahrungen sind häufig jene Lehrer am ungeeignetsten, die zwar begeistert für ihre Fächer sind, die Begeisterung aber nicht vermittlen können und auch niemanden verstehen, der ihre eigene Begeisterung nicht teilt. Oft sind das Studenten, die das Fachstudium nicht gewählt haben, weil ihnen entweder die Verdienstmöglichkeiten nicht zugesagt haben, oder weil sie selbst bei allem Elan nicht in der ersten Liga ihres Fachgebietes mitspielen können. Wenn so jemand dann das Lehramt ergreift, ist der Frust schon fast vorprogrammiert. Fachlich fühlt man sich unterfordert mit dem 'einfachen Schulstoff' und die Befähigung zum Lehrer ist auch nicht jedem gegeben. Nach meiner Meinung mit ein Grund für den Berufsfrust vieler Lehrkräfte.

Zitat: System Beitrag anzeigen
Darf ich vielleicht noch vorschlagen, dass wir statt Homeschooling vielleicht lieber Heimunterricht sagen, sodass ich statt homegeschoolt einfach zuhause unterrichtet sagen kann.
Klar, kein Problem.
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Alt 26.11.2007, 22:14     #34
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Zitat: Ken Beitrag anzeigen
Eigentlich gar nichts dagegen zu sagen, wenn es nur darum geht, diese Ideen zu erwähnen und sich vor allem kritisch mit ihren Argumenten auseinaderzusetzen.
Sich kritisch damit auseinandersetzen - ok. Den Stoff im Religionsunterricht durchzunehmen - ok. Den Stoff im naturwissenschaftlichen Unterricht als einzige Theorie zu lehren oder ihn als gleichwertig zu präsentieren - nein, auf keinen Fall!
Zitat: Ken Beitrag anzeigen
Auch das überrascht mich einigermassen, da der Unterricht im Normalfall bis gegen 15.30h dauert.
Hm, na und? Schau dir dieses Thema und die darin verlinkten Videos an. Die Kinder dort werden eingeschüchtert und indoktriniert, am Ende sind die so davon überzeugt, dass sie diesen Extraunterricht freiwillig besuchen.
Außerdem ist es in vielen Teilen der Welt nichts besonderes nach der Ganztagsschule noch andere Schulen zu besuchen.
Zitat: Ken Beitrag anzeigen
Möglicherweise ein krasser Einzelfall, aber der Gedanke, solchen Eltern auch noch den Heimunterricht zu überlassen, behagt mir nicht besonders.
Das wäre doch auch kein Problem? Wo siehst du darin das Problem? Die Schulpflicht würde letztlich nur durch die Bildungspflicht ersetzt werden und an die sind auch diese Eltern gebunden. Kommen sie ihr nicht nach, leiten die Behörden genauso entsprechende Schritte ein, wie sie es heute bei Verletzung der Schulpflicht tun.
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Alt 26.11.2007, 22:47   #35
System
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Zitat: Fokker Beitrag anzeigen
Sich kritisch damit auseinandersetzen - ok. Den Stoff im Religionsunterricht durchzunehmen - ok. Den Stoff im naturwissenschaftlichen Unterricht als einzige Theorie zu lehren oder ihn als gleichwertig zu präsentieren - nein, auf keinen Fall!
Ich könnte mir den Stoff auch im naturwissenschaftlichen Unterricht vorstellen. Als Negativ-Beispiel für Pseudo-Wissenschaft. Ich denke, dass es nicht schadet, wenn die Kinder den Unterschied zwischen wissenschaftlicher Theorie und bloßen Behaupten und Vermutungen lernen.

Das sollte nicht auf den Religionsunterricht beschränkt sein. Den Lehrer dort traue ich so etwas nämlich nicht zu. Ich habe schon oft mit moderaten religösen Menschen diskutiert, die offenbar den Eindruck hatten, dass eine "Theorie" eine ziemlich unsicher Sache sei und auf gleicher Stoffe mit reliigösen Behauptungen stehe.

Zitat: Fokker Beitrag anzeigen
Außerdem ist es in vielen Teilen der Welt nichts besonderes nach der Ganztagsschule noch andere Schulen zu besuchen.
Haben wir hier doch auch. Ein paar Ganztagschulen gibt es schon und die Leute lernen trotzdem noch nebenbei Klavier oder sind im Fußballverein.
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Alt 05.04.2008, 16:52     #36
Fokker
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Zitat: System Beitrag anzeigen
Das sollte nicht auf den Religionsunterricht beschränkt sein. Den Lehrer dort traue ich so etwas nämlich nicht zu. Ich habe schon oft mit moderaten religösen Menschen diskutiert, die offenbar den Eindruck hatten, dass eine "Theorie" eine ziemlich unsicher Sache sei und auf gleicher Stoffe mit reliigösen Behauptungen stehe.
Hier könnte man sowieso eine mehr wissenschaftliche Linie fahren. Ansätze dafür gäbe es ja genug und eigentlich sollten die Lehrer dies auch beherrschen. Dann wäre es auch kein Problem im Unterricht über die Pseudowissenschaftlichkeit vom ID zu reden.
Zitat: System Beitrag anzeigen
Haben wir hier doch auch. Ein paar Ganztagschulen gibt es schon und die Leute lernen trotzdem noch nebenbei Klavier oder sind im Fußballverein.
Klar, sowas haben wir hier auch... Ich meinte eher Schulen wie in Japan, wo die Schüler zusätzlich zum Stoff der Mittel- oder Oberschule noch lernen, um dann später möglichst gut bei den Aufnahmeprüfungen zur Oberschule bzw. Universität abzuschneiden.
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