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Alt 07.10.2007, 22:00   #1
Fokker
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Lebensform aus dem Reagenzglas

Craig Venter will eine Lebensform erschaffen:
Zitat:
Möglicherweise erst in einigen Wochen, vielleicht auch schon am Montag, könnte die Forschergruppe um Craig Venter einen wissenschaftlichen Durchbruch bekanntgeben, meldete am Samstag die britische Zeitung Guardian. Der Gentechniker will im Labor ein künstliches Chromosom geschaffen haben - und damit die Voraussetzung zur Entstehung von künstlichen Lebensformen.
[...]
Die DNA-Sequenz basiert auf dem Erbgut des Bakteriums Mycoplasma genitalium, das das Team um ein Fünftel auf die Basisbestandteile reduzierte. Getauft wurde die Neuheit auf den Namen Mycoplasma laboratorium.
Quelle
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Alt 08.10.2007, 02:31   #2
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Wie krank ist das denn?

Man mag über die Schöpfung und die Evolution denken, wie man will, aber wenn sich ein Lebewesen erheben will und eine Art "Gott" geben möchte, so kann man es nur durch Mißachtung in seine Grenzen weisen........

Craig Venter ist nicht geboren worden, weil er den Samen seines Vaters angebrüllt hat, ihn jetzt endlich mal zu zeugen und auch nicht, weil er die Eizelle seiner Mutter dazu aufgefordert hat, sich mit dem ausschlaggebenden Spermium seines Vaters zu verschmelzen......

Die Frage ist doch, in wie weit es dem Menschen erlaubt sein darf, in die Natur einzugreifen und sie zu verändern nach seinen eigenen Wünschen! Genforschung kann sehr hilfreich sein, wenn es um die Entwicklung von Medikamenten geht, die erkrankten Menschen eine Hoffnung auf Heilung geben, aber niemals sollte sie zur Erschaffung künstlicher Lebewesen dienen!

Der Mensch hat sich nicht selbst erschaffen, dessen sollte er sich immer bewußt bleiben, also hat er auch kein Recht, über Leben und Tod zu entscheiden!
 
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Alt 08.10.2007, 03:00     #3
Fokker
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Der Mensch greift in die Natur ein? Also das impliziert ja ersteinmal, dass er außerhalb der Prozesse steht, die man zusammenfassend Natur nennt - ist das so? Sicherlich nicht.
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Alt 08.10.2007, 19:00   #4
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Zitat: Fokker Beitrag anzeigen
Der Mensch greift in die Natur ein? Also das impliziert ja ersteinmal, dass er außerhalb der Prozesse steht, die man zusammenfassend Natur nennt - ist das so? Sicherlich nicht.
Natürlich steht der Mensch nicht außerhalb dieser Prozesse und er greift trotzdem in vielfältiger Weise in die Natur ein, was zum Beispiel im Klimawandel sichtbar wird. Auch durch die Pharmaforschung aht er in die Natur eingegriffen, so dass heute Erkrankungen geheilt werden können, die ohne einen solchen Eingriff zwangsläufig zum Tod geführt hätten.

Mir geht es eher darum, dass es in meinen Augen eine Grenze geben sollte, die der Mensch nicht überschreiten darf, da dann sein Eingriff in den Lauf der Natur noch unkontrollierbarer wird, als er es ohnehin schon ist. Allerspätestens bei der Schaffung "künstlicher Lebensformen" ist für mich diese Grenze überschritten, auch wenn ich Genforschung und -technik nicht grundsätzlich in Frage stelle!
 
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Alt 09.10.2007, 00:31     #5
Fokker
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Natürlich greift der mensch in die Natur ein, das tut aber auch jede andere Lebensform im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Ein Affe/Vogel der ein Werkzeug erschafft/nutzt, ist letztlich nichts anderes als ein Mensch, der ein Medikament erschafft/nutzt. Im ersteren Fall wäre es dann "Natur", im letzteren ein Eingriff in eben diese... irgendwie dummfug.

Grenzen können sich nur die Menschen selbst auferlegen, die Natur hat es nicht getan, ansonsten wären wir in der Evolution irgendwo gescheitert.
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Alt 09.10.2007, 00:51   #6
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Zitat: Fokker Beitrag anzeigen
Natürlich greift der mensch in die Natur ein, das tut aber auch jede andere Lebensform im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Ein Affe/Vogel der ein Werkzeug erschafft/nutzt, ist letztlich nichts anderes als ein Mensch, der ein Medikament erschafft/nutzt. Im ersteren Fall wäre es dann "Natur", im letzteren ein Eingriff in eben diese... irgendwie dummfug.

Grenzen können sich nur die Menschen selbst auferlegen, die Natur hat es nicht getan, ansonsten wären wir in der Evolution irgendwo gescheitert.
Im Prinzip gebe ich dir Recht, Fokker, allerdings gebe ich auch zu bedenken, dass das endgültige logische Denken die Natur offenbar nur den Menschen in der Fauna zugedacht hat!

Ein Affe (der uns evolutionär am nächsten zu stehen scheint) kann durchaus aus seinen Erfahrungen Dinge ableiten und vielleicht auch für sich nützlich umsetzen, aber hast du schon mal einen Affen erlebt, der "vorrausschauend" Neues erforscht und wissenschaftlich begründet in den Lauf der Natur einbringt? BTW: wie schälst du eine Banane? Menschlich vom Stiel her, oder öffnest du sie wie ein Affe an der Blüte?

Ein Vogel mag lernen können, nicht mehr nur alleine Zweige oder Gräser zum Nestbau einzusetzen, sondern auch Materialien wie eine Plastiktüte oder Restverpackungen aus von menschlich geschaffenen "unnatürlichen", also künstlichen Stoffen wie einer Hamburger-Verpackung diverser Fast-Food-Ketten. Sie erfunden und damit selbst in die Natur so massiv eingegriffen wie der Mensch hat er damit aber noch lange nicht!

Hast du je ein Lebewesen kennenkernen dürfen können müssen, was sich angemaßt hätte, die Welt mit künstlich erschaffenen Lebensformen "bereichern" zu wollen außer dem Menschen?

Natürlich hat die Natur (ooouuups: "Kex" würde mich jetzt wieder killen mit der Aussage, dass es ein Widerspruch in sich selbst ist *bibber*) den Menschen keine Grenzen auferlegt, aber sollte es den Menschen nicht am Herzen liegen, sich selber Grenzen zu setzen, gerade wenn es darum geht, künstliches Leben zu erschaffen? Wenn du ehrlich bist gegenüber deinen Mitmenschen, kommt dir da nicht auch manchmal der Zweifel, dass die Evolution in gewisser Weise versagt hat?

Wo ist also bitteschön hier "dummfug" zu erkennen?


Bevor das jetzt ein alleiniger "Fokker-Nessaio-Thread" wird, bitte ich doch mal höflich auch um Posts von anderen Mitgliedern der Community.......... Wobei ich nicht verhehlen kann, dass Diskussionen mit Fokker immer wieder reizvoll sind, da sie bar jeglicher Provokation stattfinden und immer wieder neue Aspekte zu Tage fördern, von denen man sein eigenes Bild der Dinge nur erweitern kann!
 
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Alt 09.10.2007, 01:17     #7
Fokker
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Das logisches Denken bisher nur beim Menschen zu finden ist, hat doch keine Bedeutung. Bisher waren halt nur unsere Urahnen bestimmten evolutionären Selektionsdrücken ausgesetzt, die zu dieser Entwicklung geführt haben. Es gab ja auch nicht nur eine Art, deren Entwicklung eine ähnlichen Pfad wie unsere beschritten hat.
Die anderen Besipiele sind im selben Sinne zu verstehen.

Alle Lebensformen greifen im Rahmen ihrer Möglichkeiten in die Natur ein.

Btw. Vögel bauen sich Werkzeuge und benutzen diese auch nicht nur einmal.
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Alt 09.10.2007, 01:27   #8
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Zitat: Fokker Beitrag anzeigen
Es gab ja auch nicht nur eine Art, deren Entwicklung einen ähnlichen Pfad wie unsere beschritten hat.
Da bin ich jetzt aber mal auf weitere Erläuterungen gespannt! *ohren spitzt*

Man wird so alt wie eine Kuh, lernt aber immer noch dazu!
 
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Alt 09.10.2007, 16:31     #9
Fokker
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Beispielsweise der Neandertaler. Selbe Gattung, sehr wahrscheinlich keine Homo sapiens Unterart - also eine eigenständige Art innerhalb unserer Gattung. Wahrscheinlich gibt es in der Geschichte unserer Gattung noch andere Arten, die ähnliches Potential hatten, aber im laufe der zeit nicht überlebten - aber so genau kenne ich mich nicht mit der Entwicklung aus, als das ich diese benennen könnte.
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Alt 09.10.2007, 18:16   #10
tdd
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Hi
Gott spielen hin oder her. Das Problem ist, dass der Gencode extrem kompliziert ist. Es scheint, dass sich einzelne Genteile sich wechselseitig beeinflussen. Dies ergibt unberechenbare Kombinationen, an die man vorher im Leben nicht gedacht hätte. Wenn ich mal den Teufel an die Wand malen darf: Man überlege sich, man bastelt sich jetzt so eine CO2 umwandelnde Bakterie. Doch leider hat man da was übersehen. Diese Bakterien verbreiten sich unkontrolliert. Sie verdrängen andere Arten, welche Grundlage des bisherigen Lebenskreislaufes waren. So sterben letztendlich vielleicht wichte Pflanzen und Tiere aus. Ökosysteme brechen zusammen, und wo bleiben wir? Essen wir dann Designerbakterien?

Die mutieren dann wahrscheinlich noch und rotten den Menschen komplett aus.
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mfg
tdd
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Alt 09.10.2007, 20:26   #11
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Zitat: tdd Beitrag anzeigen
Das Problem ist, dass der Gencode extrem kompliziert ist. Es scheint, dass sich einzelne Genteile sich wechselseitig beeinflussen. Dies ergibt unberechenbare Kombinationen, an die man vorher im Leben nicht gedacht hätte.
Das ist eine Tatsache, die fernab jeglicher ethischen Überlegungen auch nicht vergessen werden sollte. Der Mensch ist eben auch nur ein Mensch, und wo Menschen arbeiten geschehen Fehler! Dummerweise eben auch im logischen Denken.....

Wären wir wirklich bereit, dieses Risiko einzugehen, wie es "tdd" so drastisch, aber eben nicht ausschließbar, beschreibt?
 
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Alt 10.10.2007, 10:18   #12
tfc
/(bb|[^b]{2})/
 
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"Wissen" ist keine Gefahr, die man im Ansatz bekämpfen sollte, wenn man sie eines Tages falsch nutzen könnte.
Sonst hätte es auch keine Atomphysik geben dürfen.

Unter diesem Gesichtspunkt ist es vollends blödsinnig, diese Art der Forschung zu verbieten.
Den Begriff "Gott spielen" halte ich ebenso nur für einen doofen Springteufel, den man den Befürwortern als CONTRA entgegenwirft, da der oder das "Gott" in weiten Teilen der Gesellschaft ein geschützter, unumstößlicher Begriff ist.
Nichts desto trotz ist das Verbot für den Menschen, Schöpfer zu spielen, nur postuliert und nicht aus irgendwelchen anderen ethischen Überlegungen herleitbar.

Wenn das Wissen über die Kreation neuer Arten, welches ohne Zweifel wertvolles Wissen bspw. für die Medizin abwerfen wird, erst einmal vorhanden ist, kann man die Nutzung immer noch verbieten. Man wird sie ohne Zweifel auch einschränken müssen und wird nur Praktiken erlauben dürfen, bei denen man eine Eskalation ausschließen kann. (Anders als man das damals mit der Erlaubnis getan hat, Strom aus Kernspaltung zu gewinnen, ohne die Risiken wirklich eingeschätzt haben zu können.)


Irgendwo auf der Welt WIRD hier weiter geforscht werden. Es wäre doof, später nicht auf dem selben Niveau zu sein und damit Hand in Hand bereits ethische Normen darüber verfasst zu haben.
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Alt 10.10.2007, 12:06   #13
Au.Souchy
Master of Desaster
 
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Ich sehe das Problem auch mehr in der Tatsache, das hier mal wieder Forschungsergebnisse umgesetzt werden, bevor man sie richtig verstanden hat. Der Mensch neigt leider zu stark dazu alles zu machen was er kann, auch ohne wirklich zu wissen wie es geht und was dabei herauskommt.
Erkärt mir mal bitte einer warum Biologie zur Natur gehört, Chemie aber nicht. Ich bezieh mich hier konkret auf #4, wo Nessaio Pharmaforschung als Eingriff in die Natur bezeichnet. Aber die Pharmachemie unterliegt auch den Gesetzen der Natur. Jeder Wissenschaftszweig beleuchtet die Natur lediglich aus einer anderen Perspektive. Es liegt bspw. einfach in der Natur von Acetylsalicylsäure das Blut verdünnen. Atome die nicht kompatibel sind, werden es auch nicht durch Chemie.
Wissenschaften dienen doch eigentlich in erster Linie dem Erkennen von Zusammenhängen.
Der Mensch macht nur leider zu oft den Fehler Entdeckungen anzuwenden, bevor die wissenschaftliche Grundlage ausgeprägt genug ist und doktert dann an den sich daraus ergebenden Problemen herum.
Aus meiner Sicht ist jedenfalls alles moralisch und ethisch Vertretbar solange kein Lebewesen, sei es auch "künstlich", Schaden nimmt und/oder ausgebeutet wird.
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Die drei großen Feinde der Unabhängigkeit sind die Habenichtse, die Reichen und die Parteien.
Friedrich Wilhelm Nietzsche
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Lieber die Polizei am Telefon, als die Strassen voll bewaffneter Irrer.
Au.Souchy ist offline  
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Alt 10.10.2007, 15:26   #14
tfc
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Wir beuten doch heute auch schon zahllose Lebewesen aus?
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