Nett gemeint:
Mein Rat an Gerhard Schröder
1 Seite(n), von Stefan Schädel
Mal ehrlich: Kanzler sein ist Kacke. Da hat es ein Alleinherrscher schon einfacher. Das Kaiserdasein will aber gelernt sein. Und Gerhard Schröder, vielleicht bald unser höchster Potentat wenn er die Notbremse zieht, kann da sicher noch etwas Unterstützung gebrauchen. Also habe ich es mir erlaubt, diesen offenen Brief zu schreiben. Damit niemand behaupten kann, man hätte ihm keine Tipps gegeben.
Lieber Gerhard,
um es gleich vorweg zu nehmen: ich bin nicht rechts! Obwohl es schon manchmal Tage gibt, an denen ich es lieber wäre. Wenn zum Beispiel so ein klitzekleiner, wohlgebräunter und gelverschmierter Junge in geringfügig überdimensionierten Klamotten (warum eigentlich?!?) daher kommt und 08-15-Passanten wie mich in der S-Bahn mit Worten beschimpft, auf die ich davor nie, aber garnie gekommen wäre und deren Bedeutung dem Kleinen auf keinen Fall bekannt sind. Und das ohne den Hauch eines Grundes.
Aber ich sehe großzügig darüber hinweg und gehe ihm, wie ich es in der Grundschule gelernt habe, aus dem Weg. Ehrlich gesagt würde ich da schon etwas mehr Polizei- oder besser noch Uniformstaat erwarten, damit dieser kleine Stöpsel auch mal recht das dumm Dreinschauen lernt. Dies zu realisieren, wäre schon mal ein Schritt in die richtige Richtung. Und es gibt ja auch ein namhaftes Beispiel in der deutschen Geschichte, das Ihnen hierbei den Weg leuchten könnte:
Kaiser Wilhelm der Zweite!
Der einzig Wahre. Das Idol.
Kein Mann, ein Halbgott (wahre Götter tänzeln von Wölkchen zu Wölkchen und lassen sich von Engelchen bezirzen), der sich dazu herabgelassen hat, Deutschland zu dem zu machen, was es bis kurz vor dem Versailler Vertrag war: deutsch und frei, innovativ und aktiv, voll Recht und Ordnung – eben genau das, was heute fehlt. Wie Sie es schaffen, so gut dazustehen, erkläre ich ihnen gern. Ich habe nämlich gerade so eine nationalistische Phase. Und den Eindruck Sie könnten gerade etwas Hilfe brauchen.
Schritt eins:
Werden Sie dominant. Das heißt für mich: Alleinherrscher sein. Die Politik zu einer Einzelsportart machen. Macht ausüben. Wenn ein Taugenichts von ausländischem Staatschef Sie beschimpft, lassen Sie das KSK sich austoben. Den bezahlten Extraurlaub werden die Jungs Ihnen danken. Und ziehen Sie sich in Zukunft was ordentliches an. Ich kann Ihren Tüll nicht ausstehen! Es muss etwas her, das Ihre neue Stellung voll zur Geltung bringt. Wilhelm II hat das nicht schlecht hingekriegt. Und das ohne italienischen Schneider. Aber bitte vermeiden Sie jeglichen Kontakt mit Herrn Mooshammer... es sei denn, Sie brauchen Daisy-Geschnetzeltes à la carte. Wäre der Ihr Schneider, Sie könnten Ihre Autorität in den Mülleimer einpflegen. Und das wollen wir doch nicht, oder?
Schritt zwei:
Vergessen Sie den Bundesgrenzschutz als außerplanmäßiges Kontrollorgan. Akute Präsenz ist allerorts gefragt! Und dabei scheint mir eines wichtig: nicht ein lächerliches "Potzelei"-T-Shirt, sondern eine Uniform, die Flics, Policemen oder Carabinieris alt aussehen lässt. Mit Dienstgrad, Tapferkeitsorden und was so alles dazu gehört. Sie wissen schon. Das volle Programm.
Soll- und Ist-Wert in Sachen Uniform und Präsenz
Und kommen Sie mir nicht blöd und fragen, woher Sie das Geld nehmen sollen. Sie sind der Boss. Sie entscheiden, wer was zu zahlen hat. Außerdem soll man sich ja immer antizyklisch verhalten, das heißt, wenn keiner Uniformen kauft, kaufen Sie, soviel Sie nur kriegen können. Das belebt die deutsche Industrie. Und erneuern sie bei der Gelegenheit auch mal den Panzerfuhrpark. Was sollen denn die Leute denken, wenn die Patrouille ständig Pannen zu beheben hat!
Schritt drei:
Sehen Sie zu, dass Sie ordentlich vergöttert werden. Nur so ist strikter Gehorsam konsequent durchführbar! Dazu empfehle ich, das Kunstgewerbe in Ihrem Land einzig für die staatliche Propaganda – man könnte dazu auch Errichtung eines Götterkultes sagen – arbeiten zu lassen. Schrecken Sie dabei bitte nicht vor ungewohnten Dimensionen oder Anlehnungen an Römische Kultfiguren zurück. Dies ist ein Mittel zum Zweck – ich sehe den Heiligenschein schon flimmern.
Schritt vier:
Ein Schuss Nationalismus macht die Gesellschaft erst so richtig spritzig, das gibt den richtigen Pep. Oder glauben Sie, der kleine türkische Freund, von dem ich vorhin erzählt habe, würde Ihnen gebührende Achtung zollen, ausreichende Rückendeckung geben oder Interesse am Fortschritt der deutschen Nation zeigen? Na also! Dass die Gewalttätigkeit in der Bevölkerung gegenüber Ausländern zunimmt, brauchen Sie nicht zu befürchten – das übernehmen jetzt ja die uniformierten Freunde.
So, jetzt wünsche ich Ihnen viel Spaß mit Ihrem Ihnen zu Füssen liegenden Land. Sie können mit dem Tausch Demokratie gegen Monarchie ein gutes Geschäft machen, schlafen Sie mal drüber! Und vergessen Sie eines nicht: wenn Ihnen jemand dumm kommt, eilt ZYN! Ihnen garantiert zu Hilfe, die Propagandaspesen sind angeblich nicht die schlechtesten, wir verstehen uns.
In unterwürfiger Anbetung
Stefan Schädel
Beitrag von ZYN! Autor / Autorin Stefan Schädel